Warmblutwallach, vorgestellt wg. Chronischer Sinusitis
Freitag, 1. Januar 2010 (Redaktion)
Fall von Birgit Mosenheuer, Fachtierärztin für Pferde, ZB Hom
Am 05. Februar 2009 ruft mich Frau J. aus Österreich wegen ihres Pferdes „Melak“, einem etwa 18 Jahre alter dunkelbraunen Warmblutwallach an, der seit längerem an einer Sinusitis der rechten Nasennebenhöhlen erkrankt ist. Bei der telefonischen Anamnese ergibt sich, zeitlich geordnet, folgende Krankheitsbiographie:
Ankauf 1998 als Wallach
1998 bis 2005:
- einmal „Fieberschub“ im Sommer, Temperatur 39 Grad, bekam vier dicke Füße, Appetit gut, antibiotisch behandelt.
- einmal „Blasenkolik“, nachmittags 15 – 16 Uhr, versuchte dabei erfolglos zu urinieren, nach Behandlung mit „krampflösender Injektion“ reichlicher Urinabsatz.
Mai 2006:
- starker Husten: anfallsweise tiefes, trockenes „Bellen“, wenn er sich beim Reiten anstrengen muß.
- Der Husten trat drei Wochen nach der zweimal jährlich stattfindenden Impfung gegen equine Herpesviren auf.
Januar 2007:
- Impfung gegen Herpesviren und equine Influenza.
- Erneut starker Husten, Behandlung mit Antibiose und Schleimlösern.
- ab jetzt auf Wunsch des Besitzers keine Herpesimpfungen mehr.
Januar 2008:
- Impfung gegen Pferdegrippe.
Februar 2008:
- erstmals Nasenausfluß rechts: zähes, weißes Sekret mit gelblichen Anteilen.
- Starker Geruch „nach Eiter“
- Temperatur 38,9 Grad,
stationäre Aufnahme in Pferdeklinik Anfang März 2008
- Endoskopie: Sinusitis der rechten Kiefer- und Stirnhöhle, nach Tupferprobe Streptokokken nachgewiesen.
- Röntgen: Flüssigkeitsspiegel der rechten Kieferhöhle, frakturierter, instabiler Zahn im linken Oberkiefer (wurde im Stehen gezogen, keine Reaktion auf Sedation), sonst ohne Befund.
- Ruft nach Besitzer, wenn diese von ihm weggeht.
März 2009:
- Entlassung nach Hause, weiter Antibiose bis Ende April 2008.
- Nasenausfluß „wurde besser, ging aber nie ganz weg“.
- Röntgen rechte Nasennebenhöhlen: Schleimhäute der rechten Kieferhöhle verdickt, keine größere Flüssigkeitsansammlung.
Ende Juli 2008:
- häufiger müde, weiterhin weißlicher-gelber, schleimartiger Nasenausfluß rechts, Wechsel zwischen geruchlos und stinkend, bei Wind vermehrte und zähflüssigere Sekretion.
- Blutuntersuchung ergibt erhöhte Werte bei Kreatinin, anorganischem Phosphat und Gesamtprotein. Urinuntersuchung unauffällig (Kontrolle der gleichen Werte am 13.November 2008: ohne Befund).
Seither mit verschiedenen Naturheilverfahren erfolglos behandelt!
Verhalten:
„Melak ist ein sehr nettes, arbeitsfreudiges Pferd!
Kinder mag er total gerne, auch Katzen!
Er fragt gerne nach, das heißt, er versucht zu fressen, wo es geht! Bei einem Reitkurs vor vielen Jahren (Anmerkung: das Pferd war damals etwa 8 Jahre alt) kam heraus, dass er der domininante Part in der Reiter-Pferd-Beziehung ist – seither gebe ich den Ton an (Anmerkung: wirklich?)
Putzen mag er nicht, er ist auch kein Schmuser. Er ist generell sehr schmusig, wenn es ihm schlecht geht. Sonst nicht!
Auch Decken hasst er, im Winter ist er dick eingedeckt, er beißt dann auf die Decke, legt die Ohren an. Sobald sie (die Decke) oben ist, ist es gut. Beim Satteln pumpt er sich auf, die Ohren werden angelegt, das Angurten ist ok.
Er wälzt sich gerne und ist in der Box sehr reinlich: er geht immer in die gleiche Ecke.
Melak ist sehr futterneidisch und gierig: er piaffiert vor Ungeduld in der Box, wenn der Futterwagen kommt, stürzt sich dann mit offenem Maul und angelegten Ohren hastig auf sein Futter, er wird dreimal am Tag gefüttert, hat immer Hunger und ist immer ungeduldig. Fressen ist das Wichtigste für ihn, er verteidigt es sehr, wenn man näher kommt. Wenn man beim Fressen in seine Box geht, legt er die Ohren an und geht drohend auf einen los, lässt sich dann aber zum Mitkommen überreden.
Arbeiten liebt er nicht so, aber er freut sich, wenn er etwas Neues lernen darf, will immer Abwechslung. Beim Longieren will er jetzt immer spielen, wie ein trotziges Kind, er mag es nicht: er brummelt dann vor sich hin, buckelt und tobt sich ab.
Lob ist ihm wichtig, er bietet dann von selbst Lektionen an. Bei einer Ehrenrunde will er immer der Erste, will vorne sein! Bei Turnieren früher stoppte er oft dreimal im Springparcours, weil er genau wusste, dass er dann aufhören durfte. Aufgeregt war er nie, das war immer ich, ich bin ein schwacher Reiter.
Er ist auch in keinster Weise ängstlich, geht alleine ins Gelände mit mir, wenn andere Pferde dabei sind, muß er vorne gehen, er will sich nicht einreihen in der Gruppe.
Den Winter bevorzugt er, bei Hitze ist Melak eher müde. Er hatte an einem heißen Nachmittag auch einmal Verstopfung, wollte dann nicht fressen. Nach einer Injektion und Bewegung an der Longe wurde es besser, er konnte dann auch äpfeln.
Auch eine Sedierung im Sommer hat er einmal schlecht vertragen: er schwitzte stark.
Melak ist ein Morgenmuffel, er arbeitet lieber abends.
Auf der Koppel ist er der Chef, seinem Kollegen Satchmo hat er alle Decken zerrissen und ihn dauernd getriezt (verfolgt ihn und ärgert ihn), deswegen darf er mit im nur noch im Sommer zusammen raus, dann ist er durch das Fressen abgelenkt. Im Winter stehen sie nebeneinander, aber getrennt im Paddock und betreiben Fellpflege.
Seine Artgenossen sind ihm nicht wichtig, er steht auch alleine auf der Koppel, solange ich da bin. Wenn ich auch noch weggehe, dann regt er sich auf.
Beim Hängerfahren in die Klinik war er schweißnaß (sonst fuhr er LKW, das ist in Ordnung), lässt sich aber zum Einsteigen überreden. Auch bei Auseinandersetzungen mit mir beim Reiten kann er hektisch werden, wird dann schweißgebadet, wenn er etwas nicht versteht und ich darauf beharre, dass er es tut.
Melak wird regelmäßig viermal pro Jahr entwurmt, ohne Reaktion. Einmal hatte er einen steifen Hals nach einer Antibiotika-Injektion, er bekam dort Ausschlag und Juckreiz.
Seine Haut ist gut, in einem früheren Stall hatte er zum Ende der Beschlagsperiode an allen vier Hufen Strahlfäule, nach dem Ausschneiden war es gut. Seit dem Stallwechsel hierher nicht mehr, hier ist es sauberer.
Der Fellwechsel im Frühjahr zehrt an seiner Substanz, er ist dann müde, braucht mehr Futter, weil er schnell Muskelmasse abbaut. Er wechselt die Haare schnell.
Wie er als Typ ist? Ich würde sagen, er ist der Hausmeister, wie er leibt und lebt.“
Aussehen:
- dunkelbrauner Wallach, Stockmaß 176 cm
- Senkrücken, Aufwölbung der Lendenwirbelsäule
- Stichelhaarige Narben auf dem Nasenrücken, der rechten Kopfseite unter dem Halfter und im Sporenbereich der rechten Seite, weiße alte Druckstelle rechte Sattellage
- Herausfordernder, neugieriger und wacher Blick.
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