Golden-Retriever-Rüde “Wicky”, vorgestellt wg. chronische Lahmheit nach Ellbogenoperation
Montag, 1. März 2010 (Redaktion)
Fall von Birgit Mosenheuer, Fachtierärztin für Pferde, ZB Hom
„Wicky“, ein junger Retrieverrüde, jetzt eineinhalb Jahre alt, kam mit 12 Wochen in den Besitz der Familie R. und fing vier Wochen später heftig vorne rechts zu lahmen an.
Bei der Untersuchung in einer renommierten Kleintierklinik wurde eine massive Ostechondrosis dissecans des rechten Ellbogengelenkes festgestellt, der linke Ellbogen war nur minimal verändert.
Der Hund wurde arthroskopiert, freie Gelenkkörper wurden entfernt und das Gelenk gespült.
Bei der Untersuchung fällt heute ein stark verdicktes Ellbogengelenk rechts und eine deutliche Stützbeinlahmheit rechts besonders beim Aufstehen auf, dann läuft sich „Wicky“ ein und es bleibt eine geringgradige Stützbeinlahmheit bestehen, die sich durch Bewegung nicht verschlechtert.
Der behandelnde Chirurg hat die Familie darauf hingewiesen, dass die Restlahmheit aufgrund der starken Arthrose zeit seines Lebens Bestand haben wird.
Warum soll er nun homöopathisch behandelt werden?
„Wicky“`s großes Problem ist sein Sexualverhalten.
Bis vor kurzem hatte die Familie noch eine Retrieverhündin, die mittlerweile an Altersschwäche eingegangen ist. Sobald man beim gemeinsamen Spaziergang auf andere Rüden traf, verhielt „Wicky“ sich sehr dominant zu diesen: er ließ sie nicht an die Hündin heran, stellte die Haare auf und suchte den Kampf. Die Familie musste ihn festhalten, sonst hätte er attackiert. Die Besitzerin sagt, „er suche immer das Kräftemessen“.
Interessanterweise versuchte er nie, Hündinnen zu decken, die Besitzerin meint, es ginge ihm eher darum, „sich hier zu beweisen“.
Bereits als junger Hund mit 6 Monaten hatte er sehr große Hoden und häufig einen erigierten Penis, dazu einen reichlichen Präputialkatarrh. Er schleckte sich häufig den Genitalbereich.
Vor vier Monaten bekam der Rüde einen „Kastrationschip“ implantiert, seither sind die Hoden deutlich kleiner geworden und das Verhalten hat sich radikal geändert. Er spielt jetzt mit anderen Rüden, zeigt keinerlei Dominanz und der Penis ist trocken.
„Er ist wie ein Lamm“, sagt das Frauchen.
Generell mag er andere Hunde gern, freut sich, wenn er sie trifft, dann interessieren ihn auch seine Menschen nicht; er folgt während des Spiels gar nicht, man muß warten, bis es vorbei ist, dann kommt er wieder. Er versteht sich jetzt mit jedem anderen Hund oder Mensch!
„Konkurrenz ist aber immer noch sein Thema; starke Rüden findet er toll, er himmelt sie an, schwache unterwirft er im Spiel.“
„Die alte Hündin gab ihm Sicherheit, sie war für ihn wichtiger als wir.“
Was gab es noch an Krankheiten?
In den ersten Monaten beim Besitzer war „Wicky“ Dauergast in der Tierarztpraxis:
„häufig Husten durch Halsentzündungen, dabei schnell heiser und dann oft stimmlos, immer wieder Durchfall (Kot erst normal geformt, dann weicher Haufen, zum Teil tagelang flüssiger Stuhl).
Er hat häufig Flatulenz, vor allem, wenn er Pferdeäpfel frisst (sein Hobby!).“
Narkose und Impfungen (regelmäßig) vertrug er gut.
Welches Essen bevorzugt er?
Er würde rohes Fleisch kaufen, keine Süßigkeiten (bekommt er aber auch nie). Vom Tisch würde er nicht klauen, aber er schleckt immer die Teller ab, bevor sie in die Spülmaschine kommen.
Wie ist sein Verhalten, sein Charakter?
Die Besitzerin sagt: „ „Wicky“ ist ein Draufgänger, wahnsinnig lieb, sehr intelligent, er will lernen. Man kann mit ihm reden, er antwortet in verschiedenen Tonlagen.
Die Hundetrainerin sagt, er will alles genau austesten. Er bezaubert jeden, im Büro folgt er mir überall hin, sobald er aber andere Hunde trifft, sind wir nicht mehr wichtig.“
Auf Nachfrage erfahre ich, dass er fernsieht und auch den Computerbildschirm immer beobachtet. Zu Hause thront er oben auf dem Sofa (er kotet auch immer auf erhöhte Plätze, zum Beispiel auf den Schneeberg!), aber mit dem Rücken an der Wand. Wenn der Besitzer weggeht, schaut er aus dem Fenster hinterher. „Wicky“ liegt gerne hart, oft mit entblößtem Bauch und verdreht auf dem Rücken und liebt kühles Wetter; er ist am liebsten draußen, auch bei Regen.
Zu seiner Haustierärztin geht er sehr gerne, aber nicht zu dem Chirurgen, der ihn operiert hat. Dann lahmt er plötzlich vor dessen Praxis ganz stark, die Besitzerin sagt,
„ er ist sehr wehleidig“. Danach ist er wie erlöst und freut sich!
In der Hundeschule mag er nicht gerne an der Leine gehen und folgen, am liebsten würde er den ganzen Tag mit dem Sohn der Familie (14 Jahre) Fußball spielen und auch bei ihm im Bett schlafen (nicht erlaubt).
Seine Plüschtiere weidet er aus wie ein Wolf.
Als er neu ins Haus kam, war er „sehr schusselig: er rannte gegen Türscheiben“.
Gibt es tageszeitliche Unterschiede im Verhalten?
Abends nach dem Füttern um 18 Uhr ist er müde, will seine Ruhe haben; am liebsten würde er dann ins Bett gehen!
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