Westfalen-Wallach „Punkie“, vorgestellt wg. Verhaltensproblemen, akuter Borreliose und heftigem Fieber
Freitag, 4. Juni 2010 (Redaktion)
Fall von Birgit Mosenheuer, Fachtierärztin für Pferde, ZB Hom
„Punkie“ ist ein dunkelbrauner Westfalen-Wallach, geboren 2002, und seit 2006 im Besitz der Familie F.
Im April 2008 wurde er mir erstmals vorgestellt, damals sechsjährig, wegen seines schwierigen Verhaltens beim Reiten und auf den Turnieren (Springpferd).
Zusammengefasst stellte sich das Bild folgendermaßen dar:
Brauner, verschmuster Wallach, der im Umgang sehr brav und liebevoll ist, nimmt alles ins Maul, will zu jedem Pferd hin, sehr freundlich.
Er verletzt sich selbst immer wieder, weil er Distanzen falsch einschätzt, rempelt an Türen, die Besitzerin sagt:“ er wahrt keine Distanz, springt zum Teil in ein fahrendes Auto, erschrickt aber dann vor einem stehenden Auto“. Aus der Koppel sprang er anfangs heraus, jetzt bleibt er.
Er geht nicht gerne unter das Solarium, in den Hänger geht er, ist beim Aussteigen sehr unruhig, schweißgebadet und kaum zu bändigen; man muß ihn im Hänger satteln, dann ausladen und schnellstens aufsteigen, dann wird es besser. Er hat Probleme, wenn ihm andere Pferde in der Halle oder Reitbahn zu nahe kommen – dann geht er durch. Er mag auch nicht zwischen einem anderen Pferd und der Bande der Reitbahn durchgehen!
In der Halle hat er beim ersten Mal den Spiegel angegriffen; versucht, wenn er alleine ist, über die hohe Ausgangstür zu springen und ruft nach den anderen Pferden – aber wie ein Fohlen: er quietscht! Er schläft auch wie ein Fohlen, auf der Seite, alle 4 Füße von sich gestreckt und bleibt liegen, wenn man sich zu ihm setzt. Außerdem steckt er alles in den Mund, lutscht an allen Dingen in seiner Reichweite.
Bei der Arbeit ist er nicht totzukriegen, aber er kann sich sehr schwer konzentrieren und ist sehr wechselhaft: er erschrickt da, wo man es nicht erwartet und ist cool bei schwierigen Sachen. Beim Reiten ist er sehr hibbelig, braucht viel Bewegung, danach ist er ruhiger. Ihm ist schnell langweilig, sucht sich dann etwas zum Wegspringen; ist sehr sensibel im Maul, aber „büffelig“ im Umgang – bei Bestrafung oder wenn er einen auf den Fuß steigt und man ihn wegschiebt, reagiert er kaum.
Die Besitzer haben noch ein zweites Pferd, eine ranghohe, sehr dominante LACHESIS-Stute, mit der er auf die Koppel geht. Er ist der Rangniedere, wiehert ihr nach und folgt ihr überall hin wie ein Kind.
Auffallend bei der körperlichen Untersuchung war ein kleiner Knoten an der linken Ohrspitze und viele Stichelhaare vorne rechts im Bereich der Beugesehnen, dort auch schwammiges, warmes Gewebe. Die Ultraschalluntersuchung ist unauffällig, Lahmheit nicht erkennbar.
„Punkie“ bekam am 11.4.2008 …
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